Ratgeber Bondings
Bondings entfernen: Ablauf, Kosten und die 5 häufigsten Fehler
Keratin-Bondings werden gelöst, nicht gerissen. Wer den Unterschied kennt, behält sein Eigenhaar. Wer ihn nicht kennt, verliert es.
Nach etwa 3 bis 4 Monaten sind Keratin-Bondings so weit herausgewachsen, dass sie raus müssen. Das Entfernen selbst dauert pro Kopf rund 45 bis 90 Minuten und ist völlig unspektakulär, solange die Reihenfolge stimmt: erst weich machen, dann öffnen, dann herausziehen. Wer diese Reihenfolge umdreht, zieht sich Eigenhaar mit heraus. Hier steht, wie es richtig läuft, was es kostet und woran man merkt, dass etwas schiefgeht.
Wann müssen Bondings raus?
Das Haar wächst im Schnitt rund 1 bis 1,5 cm im Monat. Die Verbindung wandert also mit. Nach 3 bis 4 Monaten sitzt das Bonding nicht mehr nah an der Kopfhaut, sondern mitten in der Länge. Ab da passieren drei Dinge: die Frisur liegt nicht mehr flach, die Strähnen fangen an sich am Ansatz zu verfilzen, und das Gewicht zieht an einer Stelle, die dafür nicht gemacht ist.
Die ehrliche Faustregel: spätestens nach 4 Monaten. Wer länger wartet, spart kein Geld, sondern zahlt es später beim Schneiden der verfilzten Ansätze. Wenn du deine Bondings direkt danach wieder tragen willst, spricht man vom Hochsetzen. Das ist derselbe Termin, nur mit Neuverarbeitung im Anschluss.
So läuft das Entfernen ab
1. Abteilen und sichtbar machen
Das Haar wird in saubere waagerechte Partien abgeteilt, von unten nach oben gearbeitet. Jedes Bonding muss frei liegen, sonst arbeitet man blind. Trockenes Haar, kein Conditioner vorher, sonst rutscht die Zange ab.
2. Löser auftragen und einwirken lassen
Ein paar Tropfen Keratin-Löser direkt auf die Verbindung, nicht auf die Kopfhaut. Kurz einwirken lassen, meistens 20 bis 60 Sekunden. Das Keratin wird dabei weich und gummiartig, nicht flüssig. Genau dieser Moment ist der richtige.
3. Mit der Zange aufbrechen
Die Bondingzange knackt die weiche Verbindung auf. Zwei bis drei kurze Drücke, quer zur Strähne. Das Bonding soll aufbrechen wie eine dünne Schale, nicht zerquetscht werden.
4. Herausziehen, nicht herausreißen
Die Strähne wird sanft in Wuchsrichtung nach unten abgezogen. Sitzt sie fest, geht man zurück zu Schritt 2. Widerstand ist immer ein Zeichen dafür, dass zu wenig Löser oder zu wenig Zeit im Spiel war. Nie ziehen, bis es nachgibt.
5. Reste auskämmen
Nach dem Entfernen bleiben feine Keratinreste und lose Haare im Ansatz. Die kommen mit einem engen Kamm heraus, Strähne für Strähne, von unten nach oben. Danach einmal gründlich waschen und eine Kur, zum Beispiel unsere 2-Phasen-Kur.
Was kostet das Entfernen?
In deutschen Salons wird das Entfernen meistens pro Strähne oder als Pauschale abgerechnet. Übliche Größenordnungen liegen bei rund 0,50 bis 1,50 Euro pro Strähne oder 60 bis 150 Euro als Pauschale für einen ganzen Kopf. Bei 100 Strähnen landet man also grob zwischen 60 und 150 Euro. Wer im selben Termin neu setzen lässt, zahlt das Entfernen oft vergünstigt oder es ist im Preis fürs Hochsetzen enthalten. Frag im Salon konkret nach, ob Entfernen, Auskämmen und Waschen im Preis stecken, das ist der häufigste Streitpunkt an der Kasse.
Hinweis: Das sind marktübliche Spannen von Salonpreisen in Deutschland, keine Preise von EchtHaar Direkt. Wir fertigen und liefern das Haar, angebracht und entfernt wird im Salon.
Die 5 häufigsten Fehler
- Ohne Löser arbeiten. Die Verbindung ist auf Keratinbasis. Ohne Löser bricht sie nicht sauber, sondern nimmt Eigenhaar mit. Das ist der Grund für die meisten Horrorgeschichten im Netz.
- Hausmittel statt Löser. Öl, Alkohol, Nagellackentferner oder Haarspray sind kein Ersatz. Aceton greift das Haar an, Öl weicht das Keratin nur oberflächlich auf, und danach glaubt man, es säße locker. Tut es nicht.
- Nasses Haar. Nass quillt das Keratin, die Zange rutscht, die Strähne reißt statt zu lösen.
- Zu grob quetschen. Wer das Bonding platt drückt, presst es um das Eigenhaar herum, statt es zu öffnen.
- Zu spät kommen. Nach 5 oder 6 Monaten ist der Ansatz oft schon verfilzt. Dann kostet nicht das Entfernen Geld, sondern der Schnitt danach.
Kann ich Bondings selbst entfernen?
Technisch ja, ehrlich gesagt aber nur bedingt sinnvoll. Der Hinterkopf ist der Bereich mit den meisten Strähnen, und genau dort sieht man nichts. Wer es trotzdem selbst macht, braucht drei Dinge: einen richtigen Keratin-Löser, eine Bondingzange und eine zweite Person für den Hinterkopf. Ohne diese drei Dinge fängt man besser gar nicht erst an.
Realistisch ist der Mittelweg: Seitenpartien selbst, Hinterkopf im Salon. Wenn du keine Friseurin hast, die Extensions macht, hilft dir unser kostenloser Salon-Finder in der EchtHaar Direkt App weiter.
Und wenn es keine Bondings sind?
Tape Extensions werden nicht geknackt, sondern mit einem Tape-Remover auf Alkoholbasis aufgelöst. Der Remover wird zwischen die beiden Tapestreifen gegeben, kurz gewartet, dann schiebt man sie auseinander. Das ist deutlich schneller als bei Bondings, oft unter 30 Minuten.
Tressen mit Microring werden komplett ohne Chemie entfernt. Der Ring wird mit der Zange wieder aufgebogen, die Naht gelöst, fertig. Das ist die schonendste Variante überhaupt und einer der Gründe, warum wir Tressen bei empfindlichem Haar so oft empfehlen. Mehr dazu im Methodenvergleich.
Clip-In Extensions nimmt man abends einfach heraus. Kein Termin, keine Kosten, kein Löser. Siehe Clip-In Extensions.
Häufige Fragen
Wie lange dauert das Entfernen von Bondings?
Für einen kompletten Kopf mit rund 100 bis 150 Strähnen rechnet man mit 45 bis 90 Minuten, plus Auskämmen und Waschen. Sehr feine Strähnen ab 0,3 g dauern länger, weil es einfach mehr Verbindungen sind.
Gehen beim Entfernen Haare kaputt?
Bei sauberer Arbeit nein. Was nach dem Entfernen büschelweise herauskommt, sind fast immer Haare, die während der Tragezeit ganz normal ausgefallen sind und im Bonding festhingen statt herauszufallen. Ein Mensch verliert 50 bis 100 Haare am Tag, bei drei Monaten Tragezeit sind das mehrere tausend. Das sieht dramatisch aus, ist aber kein Schaden.
Kann man Bondings mit Öl entfernen?
Nein, nicht zuverlässig. Öl weicht die Oberfläche auf, löst die Keratinverbindung aber nicht. Man zieht dann an einer Verbindung, die sich nur weich anfühlt, und genau dabei reißt Eigenhaar. Nimm einen echten Keratin-Löser.
Kann man das Haar nach dem Entfernen wiederverwenden?
Bei guter Echthaarqualität ja. Die alten Keratinreste werden entfernt und die Strähnen neu gebondet, das nennt man Aufbereiten oder Hochsetzen. Wie oft das geht, hängt vom Zustand der Spitzen ab, zwei bis drei Runden sind bei Premium-Echthaar üblich.
Wie lange soll ich nach dem Entfernen warten, bis neue Extensions kommen?
Wenn das Haar gesund ist, kann direkt im selben Termin neu gesetzt werden. Ist der Ansatz gereizt oder das Haar strapaziert, gib ihm zwei bis vier Wochen Pause mit Pflege.
Fazit
Bondings entfernen ist kein Kraftakt, sondern Geduld. Löser drauf, weich werden lassen, aufknacken, sanft abziehen. Alles, was sich nach Ziehen anfühlt, ist ein Zeichen, noch einmal von vorn anzufangen. Und der wichtigste Termin ist nicht der beim Entfernen, sondern der im Kalender: spätestens nach vier Monaten.